Sie sind hier: Akita Mani Yo » Über » Andere über mich » Franz Josef über mich
Franz Josef über mich
Servus, mein Name ist Franz Josef.
Alle sagen aber nur „Franzl“ zu mir.
Vor vielen Jahre, da saß ich zusammen mit anderen Bärenkollegen in einem Landshuter Kaufhaus vor der Kasse. Da ich keine Bärengeburtsurkunde habe und damals nur ein Preisschildchen mit dem Aufdruck „4,95.-“ (damals noch D-Mark) auf mir klebte, gehen viele davon aus, dass ich „nur“ ein Billigbär aus China bin.
Kurz vor der Kasse, da ist der Platz, wo man den Menschen Dinge andreht, die sie eigentlich gar nicht geplant hatten zu kaufen und meist auch gar nicht brauchen: Eiskratzer, das 27. Paar Arbeitshandschuhe, „Luft-Duft-Erfrischer in Pfirsich Maracuja, Frühstückseiköpfer, singende Kaffeetassen, Al dente-Nudeltimer...
Die Menschen stehen da oft in einer Schlange und warten, bis sie bezahlen dürfen. Während meiner Zeit des „Vor-der-Kasse-sitzen´s“ und Wartens, bis mich jemand kauft, ist mir aufgefallen, dass die Menschen ihre Laune und Ihr Wohlbefinden meist von der Länge der Schlange, in der sie anstehen müssen abhängig machen.
Ist die Schlange kurz, dann sind die Menschen freundlich und sie lachen. Stehen Menschen jedoch in einer langen Schlange an, so sind sie unfreundlich, unzufrieden, drängeln und manche fangen sogar an zu streiten. Sie streiten dann im Prinzip um Zeit, die keiner mehr, hat oder sich nehmen will. Ich glaube die Menschen würden sich sogar noch um die Zeit streiten, wenn sie diese im Supermarkt kaufen könnten.
Wenn man als wartender Bär so dasitzt, dann stellt man sich oft vor, wie er wohl aussehen könnte, der Mensch oder der Held, der Dich mal kaufen wird für nur 4,95 Mark. Meine größte Sorge und Angst war damals, dass ich als nur Sammelobjekt, bei einem der vielen satten und verzogenen Wohlstandskindern im Spielzimmer landen könnte. Womöglich auch noch zusammen mit so dürren langbeinigen Plastikpuppen in einem rosa Puppenbettchen schlafen muß.
Aber zum Glück kam alles ganz anders.
Ich wurde dann irgendwann von einem 1,94 cm großen niederbayerischen Indianer gekauft, der auch wartend in der Schlange vor der Kasse stand und mich mit seinen grünen Augen bis über beide Ohren angrinste. Es ging dann alles sehr schnell; Der Hans setzte mich kurz vor der Kasse auf ein Band, und ich rollte zwischen Joghurtbechern, Toilettenpapier, Bananen und 3 Dosen Mandarinen unweigerlich auf die dicke Frau hinter der Kasse zu. Diese packte mich dann ganz grob, verblitzte mir mit einem „Scannerpiep“ die Augen und schleuderte mich lieblos nach hinten gegen die kurz vorher ebenfalls lieblos nach hinten geschleuderten Bananen.
Der Hans schleuderte dann wiederum die Bananen, das Klopapier, die Joghurtbecher, die Mandarinendosen und noch ein paar andere Dinge in seinen Einkaufswagen. Mich aber setzte er liebevoll in den Sitz seines Einkaufswagens; dahin, wo normal die Mütter ihre Kinder beim Einkaufen setzten. Wir fuhren dann raus zum Parkplatz, und ich durfte ohne Angurten oben auf dem Armaturenbrett sitzen. Hans meinte: „Schau, da siehst wenigstens was von der Welt und ned nur so grantige Menschen im Kaufhaus“.
Ich bin sehr froh, dass mich der Hans damals gekauft hat und ich nicht nur in einem Kinderzimmer sitzen muß. Er nimmt mich oft mit bei seinen Unternehmungen. Wir sind dicke Freunde geworden, er sieht mich als: Partner, Co-Pilot, Psychiater, Klabautermann, Body-Guard, Kopfkissengenosse... Er hat mich auf den Namen „Franz Josef“ getauft. Alle „anständigen“ Bären in Bayern heißen so, hat er mit erklärt. Bruno, Knut, Flocke... so kann jeder heißen.
Einmal sind wir mit seinem alten Roller in die Berge gefahren, und ich durfte hinten oben am Gepäck sitzen, dass war eine richtige Bärengaudi. Auch bei Kanutouren bin ich gern mit dabei. Da bekomme ich immer ganz vorne als Art „Gallionsfigur“ einen Platz im Boot. Wir waren schon im Land der Bären, in Kanada, dort haben wir mit einem Schneemenschen und echten Bären, die nicht aus China sind, Bekanntschaft gemacht. Bei einer Trekkingtour mit einem Lama wurde mir mal ziemlich übel, sowas sind Bären einfach nicht gewohnt. Ich mußte die ganze Zeit im Rucksack verbringen und nur mein Kopf durfte herausschauen. Was war das für ein Geschaukel, mir ist heute noch schlecht! Im Sommer liegen wir gern auf Kiesbänken, grillen, faulenzen und lassen uns die Sonne auf den Pelz scheinen. Der Hans schmiert mich da oft mit Bärenfett ein, damit ich keinen Bärenfellbrand von der Sonne bekomme.
Der Hans hat auch einen Freund, der heißt Albert. Und der Albert hat eine Frau, die heißt Beatrix. Und die Beatrix hat wiederum viele solcher Plüschbären, wie ich einer bin. Unter anderem gibt’s da auch ein besonders hübsches Bärenweibchen namens „Josefine Bärenbacher“. Als Josefine und ich in der heißesten Phase unserer Bärenpubertät waren, wurden wir mal in flagranti auf der Couch in einer bärig schönen Situation ertappt und fotografiert. Seit dieser Zeit darf ich nicht mehr zu „Josefine“. Ich glaube, der Albert hat Angst, dass es auf diese Art und Weise zu eine unkontollierten Bärenplage in seinem Haushalt kommen könnte.
Einmal hat der Hans nicht richtig auf mich aufgepasst, und so wäre ich beinahe abgefackelt. Beim Umzug wurde ich gedankenlos auf eine Lampe gesetzt. Als dann in den Abendstunden das Licht angemacht wurde, brannte die Glühbirne ein Loch in meinen schönen Pulli. Leicht angebranntes Bärenfell verbreitet einen üblen Geruch, und so wurde ich schließlich aus meiner „brennslichen“ Situation gerettet, noch bevor mein Bauchfell komplett durchbrannte. Ein lieber Mensch hat mir dann einen neuen Pulli gestrickt und für die kalte Jahreszeit bekam ich bei dieser Gelegenheit gleich ein passende Mütze incl. Schal mit dazu.
Ich bin froh, dass ich den Hans hab und hoffe, dass wir beide noch viele Jahre lang, schöne, bärige Zeiten gemeinsam verbringen können. Da sehe ich wenigstens was von der Welt und ned nur so grantige Menschen im Kaufhaus, die für nichts mehr Zeit haben...
Bärige Grüße
Der Franzl
[zurück zur Überischt]














